Pro Bürgerbus

Baustein im neuen Nahverkehr: Der Bürgerbus in NRW

Die Auswertung der Fakten der sechs Bürgerbus-Vereine hat gezeigt, dass diese Form des Nahverkehrs sehr gute Chancen hat. Es ist nicht nur ein Nahverkehrsmittel, vielmehr wird hier „Demokratie von unten praktiziert". Und weiter „…bleibt man jedoch bei den vorliegenden Fakten, so ist unter Berücksichtigung und Würdigung aller Tatsachen, trotz der Verschiedenheit aller sechs Vereine, das Pilotprojekt „Bürgerbus NRW" als voller Erfolg zu bezeichnen. Besonders in der Fläche kann der Bürgerbus vorhandene Mobilitätsdefizite decken, wozu Nahverkehrsunternehmen nicht in der Lage sind". Eindeutig positiver konnte das Urteil von Prof. Paul Wimber in seinem Gutachten bdquo;Bürgerbus – Untersuchung der Modellvorhaben in Nordrhein-Westfalen" aus dem Jahr 1992 gar nicht ausfallen.Zwei Jahre später setzte dann der Bürgerbus in Nordrhein-Westfalen zu seinem Siegeszug an. Siehe dazu die Seiten Pro-Buergerbus-NRW.

Jahr für Jahr wurden neue Bürgerbusprojekte gestartet. Inzwischen sind landesweit mehr als 60 ehrenamtlich gesteuerte Minibusse unterwegs und ständig zeigen in weiteren Gemeinden Bürger Interesse, die Mobilität ihrer Mitbürger auf diese Weise vor Ort sicher zu stellen.In keinem anderen Bundesland werden die Bemühungen der Bürger vor Ort so gefördert wie in Nordrhein-Westfalen. Jährlich stellt die Landesregierung NRW rund 300.000 Euro für die Organisation der Vereine zu Verfügung. Weitere 250.000 Euro werden pro Jahr für die Beschaffung der achtsitzigen Kleinbusse bereit gestellt. So ist es denn nicht verwunderlich, dass von den rund 90 Bürgerbussen bundesweit zwei von Dreien in Nordrhein-Westfalen rollen.Dabei haben Bürgerbusse inzwischen ganz andere Aufgaben übernommen, als nur einige vom Linienverkehr „links" liegen gelassene Gehöfte zu bedienen. Dabei war der Anforderungskatalog für den Einsatz eines Bürgerbusses zuerst recht speziell: Bei dem Einsatzgebiet soll es sich um einen ländlichen Raum mit einer Größe von rund 25 qkm handeln.

Die Größe des Einsatzraumes soll einen Fahrplan ermöglichen, der mit einem Fahrzeug bewältigt werden kann und den Wünschen der Bevölkerung entspricht. Mindestens 800 Einwohner sollen mehr als 1200 m von der nächstgelegenen Haltestelle eines Linienbusses entfernt wohnen. Der Bürgerbus soll nicht in Konkurrenz mit Linienbussen stehen, sondern diesen als Zubringer dienen. Durch den Einsatz des Bürgerbusses darf es auf bestehenden anderen Linien nicht zu Ausdünnungen des Angebotes kommen.

Um im Land weitere Bürgerinnen und Bürger zu ermutigen, auch in ihrer Gemeinde ein Bürgerbusprojekt zu starten und sie dabei zu unterstützen, entwickelte die Landesregierung neue Fördermaßnahmen, die in Art und Umfang einmalig in Deutschland sind. Jedem Verein wird die Beschaffung eines Busses mit 30.000 Euro bezuschusst, alle Vereine erhalten zur Durchführung aller organisatorischen Arbeiten 5.000 Euro. Die rund 1.600 ehrenamtlichen Fahrerinnen und Fahrer legen jährlich rund 2,6 Mio km zurück – 7-mal die Entfernung von der Erde zum Mond. Über 600.000 Fahrgäste steigen pro Jahr in die Kleinbusse ein, einem Großteil von ihnen bietet der Bürgerbus die möglichkeit, zum Einkaufen, zum Arzt oder zum Rathaus zu gelangen, ohne dafür auf Mitfahrmöglichkeiten bei Familienmitgliedern oder Nachbarn angewiesen zu sein.

Die Bürgerbusse sind längst ein wichtiger Baustein im öffentlichen Nahverkehrsangebot geworden. Die Landesregierung hat sie aus dieser Erkenntnis heraus im Regionalisierungsgesetz besonders herausgestellt. Im § 2 des Gesetzes heißt es: „Bei der Planung und Ausgestaltung des ÖPNV sollen bei geringer Nachfrage die Möglichkeiten alternativer Bedienungsformen wie Rufbusse, Sammeltaxen und Bürgerbusse genutzt werden".

Rund 550.000 Euro stehen im Landeshaushalt jährlich für die Bürgerbusse zur Verfügung. Angesichts der angespannten Haushaltslage musste allerdings die Einsatzzeit der Bürgerbusse bis zur Förderung eines Nachfolgefahrzeuges von fünf auf sieben Jahre verlängert werden. „Dennoch", so der damalige Verkehrsminister Dr. Axel Horstmann, „wollen wir die Förderung der Bürgerbusse auch in den kommenden Jahren fortsetzen. Denn gerade weil sich die Bürgerbusse so nahtlos in das öffentliche Verkehrsangebot eingefügt haben, wollen wir den Fahrgästen auch in diesem Bereich die gewohnten Qualitätsstandards bieten. Gleichzeitig soll das Zusammenspiel zwischen Bezirksregierungen, Verkehrsunternehmen, Kommunen und Bürgerbusvereinen, die gemeinsam das Angebot der Bürgerbusse gestalten, aber weiterhin so unbürokratisch wie möglich gestaltet werden, um keine unnötigen Hürden aufzubauen".

Hervorragendes Merkmal eines Bürgerbusses ist die ehrenamtliche Tätigkeit der Fahrerinnen und Fahrer. Um ihnen das soziale Engagement zu erleichtern, genügt der Führerschein der Klasse B (früher III). Der reicht aus, wenn der Bus nicht mehr als acht Sitzplätze (plus Fahrerplatz) aufweist. Aber zum Projekt gehören nicht nur Bürgerinnen und Bürger, die einen Teil ihrer Freizeit dem Fahren eines Kleinbusses zur Verfügung stellen.